Thalys PBKA

Sehr frh in der Geschichte des TGV wollte die SNCF das Einsatzgebiet der Hochgeschwindigkeitszge ber die Grenzen Frankreichs hinaus ausdehnen. Bereits einige Fahrzeuge der ersten TGV-Generation erlauben den Einsatz in der Schweiz. Um auch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden fahren zu drfen, sollte jedoch ein neuer, vllig kompatibler TGV hergestellt werden. Um die notwendigen Erfahrungen im Ausland zu sammeln, bevor die Serienproduktion der mehrsystemfhigen TGV anlief, war ein bereits vorhandener TGV-PSE fr die anstehenden Versuchsfahrten messtechnisch umzursten. Die Garnitur 114 bekam in der Versuchsanstalt Mnchen ein Messabteil eingebaut, worauf am 11.10.1993 die erste Testfahrt von Mnchen nach Landshut begann. Prdestiniert war anschlieend die Neubaustrecke "Wrzburg - Hannover", dort vor allem der wenig genutzte Abschnitt "Wrzburg - Fulda". Auf ihm fanden vom 16. bis 18 Oktober 1993 bei Burgsinn die eigentlichen Tests statt. Schon am 19. Oktober des selben Jahres berfhrte man den Zug wieder ohne dem Messabteil nach Paris zurck. hnliche Versuchsfahrten gab es auch in Belgien und den Niederlanden.

Kurz darauf baute GEC Alsthom 17 Vierstrom-Mehrsystem-TGV. Ursprnglich waren 27 Einheiten angedacht, die Bestellung wurde aber in 10 Zge des Typs TGV-Rseau und 17 Zge vom neuen Typ gesplittet. Von den 17 Zgen kaufte die DB fr sich zwei Garnituren. Verwaltet und vermarktet wird der internationale TGV von der neu gegrndeten Gesellschaft mit dem Namen Thalys. Entsprechend diesem Fantasienamen, der in jedem der beteiligten Lnder leicht aussprechbar ist, heien die Zge ebenfalls Thalys. Die Vierstrom-TGV mit der rundlichen Nase nennt man Thalys PBKA, wobei die vier Buchstaben fr Paris, Bruxelles, Kln und Amsterdam stehen. Diese 17 Zge sind nicht mit den anderen zehn Thalys PBA-Zgen zu verwechseln, die ja im Prinzip vom TGV-Rseau abgeleitet wurden. Trotz der selben rot/silbernen Farbgebung sind die Dreistrom-Thalys PBA gut wegen ihrer eckigeren Nase zu unterscheiden.

Ein paar Jahre spter stand tatschlich der erste Vierstrom-TGV Nummer 4541 fr Abnahmefahrten bereit. Zuerst war der Thalys auf franzsischem Boden u.a. zwischen Les Verrires und Pontarlier unterwegs. Am 10. Juli 1996 begannen in Deutschland zunchst die sogenannten Einstellfahrten (fr LZB, Indusi, Messgerte, etc.). Danach folgten Fahrten zur Strstrommessung sowie Stromabnehmertests, sowohl auf Altbaustrecken bis 160 km/h, als auch auf der Neubaustrecke Wrzburg  Fulda zwischen 250 km/h und 280 km/h. Zwei Fotos zeigen den Thalys auf der Maintalbrcke bei Veitshchheim und neben dem Wrzburger Hauptbahnhof. Ab dem 15. August folgten weitere Abnahmefahrten in Belgien und den Niederlanden.

Technik
uerlich hneln sich der Thalys PBKA und der TGV-Duplex durch die gerundete Nase, technisch gesehen sind sie aber dem TGV-Rseau hnlich. Neu an diesem Zug ist, dass er mit vier unterschiedlichen Strom- und sieben verschiedenen Signalsystemen zurechtkommt. Vor allem deshalb ist der Thalys PBKA um 50 % teurer als der TGV-Rseau. Der Thalys ist sowohl fr Links- als auch fr Rechtsverkehr geeignet. Das Fhrerpult wurde deswegen mittig angeordnet. Wichtige Bedienelemente sind auf beiden Seiten vorhanden. Die Anpresskraft des Stromabnehmers wird abhngig von Geschwindigkeit, Fahrtrichtung und Netz automatisch geregelt. Der Pantograph kann sich also an die unterschiedlichen Oberleitungskonstruktionen anpassen. Die Betriebsgeschwindigkeit ist von der Oberleitungsspannung abhngig. So liegt die Dauerleistung des Zuges unter 1,5 kV und 3 kV Gleichspannung bei lediglich 3680 kW. Bei 15 kV 16,7 Hz sind es immerhin 4460 kW. Das reicht nur fr eine Hchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Seine zulssigen 300 km/h (320 km/h) erreicht der Thalys nur unter 25 kV und 50 Hz bei einer Leistung von 8800 kW.

Inneneinrichtung
Die Fahrgste knnen zwischen der Wagenklasse "Komfort 1" und "Komfort 2" whlen. Wie das Bild in der Mitte am Anfang dieser Seite zeigt, bestimmen warme, gediegene Farbtne das Wageninnere. Trotz einem hheren Komfort als in den brigen TGV-Generationen kommt er doch nicht an das luxurise Ambiente und den grozgigen Sitzplatzabstand des ICE heran.

Einsatz
Seit dem 14. Dezember 1997 gibt es mit dem Thalys PBKA einen weiteren internationalen Hochgeschwindigkeitszug. Sein Terrain ist die TGV-Nordstrecke von Paris nach Brssel, anschlieend weiter nach Amsterdam, bzw. nach Kln. Zwischen dem Sommer 1998 und Dezember 2002 fuhr auch eine Garnitur am Tag weiter nach Dsseldorf. Ursprnglich wollte die Betreibergesellschaft Thalys den TGV bis nach Frankfurt/Main fahren lassen, sobald die Neubaustrecke "Kln  Frankfurt am Main" in Betrieb geht. Der Plan musste aber ad acta gelegt werden. Der Thalys PBKA hat nicht die ntige Kraft, die starken Steigungen mit Hchstgeschwindigkeit zu befahren. Unter 15 kV 16 2/3 Hz erreicht er eben nur 250 km/h. Auf der Relation "Brssel  Frankfurt am Main" kommen mehrsystemfhige ICEs der dritten Generation zum Einsatz.

Zu einem Zugunglck kam es mit der Thalys-Garnitur Nummer 4345 am 9. Mai 1998 auf der Fahrt von Amsterdam nach Paris. Der Zug stie mit einem LkW auf einem unbeschrankten Bahnbergang zusammen. Der LkW-Fahrer starb sofort, im Thalys waren drei Leichtverletzte zu beklagen. Der Triebkopf und die ersten beiden Mittelwagen wurden schwer beschdigt. Die beiden Mittelwagen wurden verschrottet und man ersetzte sie durch zwei Mittelwagen vom verunglckten TGV-Rseau Nummer 502. Ein Foto vom Unfall ist auf der Website www.trainweb.org zu finden.

Im Januar 2006 war zu lesen, dass im Jahr 2005 mehr als sechs Millionen Menschen mit dem Thalys reisten. Die 6,18 Millionen Passagiere zahlten insgesamt 335 Millionen Euro. Damit hat Thalys International zum zweiten Mal in Folge eine Umsatzsteigerung um mehr als fnf Prozent erreicht.

Die Deutsche Bahn lie im April 2006 verlauten, dass sie ins Thalys-Geschft einsteigen mchte. Zurzeit besitzt die franzsische Staatsbahn SNCF 70 Prozent der Anteile an Thalys International, Belgien 30 Prozent. Im Rahmen des Ausbaus der Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Paris und Deutschland sowie im Hinblick auf die engere Abstimmung der europischen Bahnen gehe Frankreich von einer Beteiligung der DB aus.


TECHNISCHE DATEN: 
Zug-/ Baureihenbezeichnung:		Thalys PBKA (4-System)
					Baureihe 43.000,
					in Deutschland als Baureihe 409 gefhrt 
Hersteller:				Alstom 
Herstellungskosten:			19,22 Millionen Euro 
Anzahl der Zge:				17 Zge 
Anzahl der Wagen:				2 TK, 8 Wagen 
					Sitzpltze 1./2.Klasse/Restaurant: 120 / 257 / --- 
Baujahr:					seit 1997 
Spurweite:				1435 mm 
Stromsystem(e):				25 kV / 50 Hz
					1,5 kV Gleichstrom
					3 kV Gleichstrom
					15 kV / 16 2/3 Hz 
Zugleitsystem(e):				TVM 430 (Frankreich)
					KVB (Frankreich)
					Crocodile? (Frankreich)
					TBL, TBL2 (Belgien)
					ATB (Niederlande)
					Indusi (Deutschland)
					LZB (Deutschland)
					Nr. 4305: seit 12/2004 mit der neuesten Version von PZB und LZB ausgerstet,
					weitere Garnituren sollen ebenfalls damit ausgestattet werden. 
Max. erreichte Geschwindigkeit:		--- 
Hchste zulssige Geschwindigkeit:		300 km/h (seit 2003: 320 km/h) 
Fahrplanmige Hchstgeschwindigkeit:	300 km/h (LGV Md.: 320 km/h) 
Bremssysteme TK:				k.A. 
Bremssysteme Wagen:			k.A. 
Beschleunigung:				k.A. 
Anfahrzugkraft:				k.A. 
Anzahl d. Achsen / davon angetrieben:	26 / 8 
Anzahl / Art der Motoren:			8 Drehstrom-Synchron 
Motorenleistung max. / dauer:		8800 kW (unter 25 kV 50 Hz)
					4460 kW (unter 15 kV 16 2/3 Hz)
					3680 kW (unter 3 kV und 1,5 kV)
					/ k.A. 
Jakobsdrehgestelle:			Ja 
Neigetechnik:				Nein 
Traktionsfhig:				Ja 
Radtyp / Radsatzanordnung:			Monobloc /
					Bo'Bo'+2'(2)(2)(2)(2)(2)(2)(2)2'+Bo'Bo' 
Wagenfederung:				Luftfederung 
Lnge / Breite / Hhe Triebkopf:		k.A. 
Lnge / Breite / Hhe Wagen:		k.A. / 2.750 / 3.260 mm 
Gewicht TK:				k.A. 
Leergewicht Zug:				416 t 
Lnge des Zuges insgesamt:			ca. 200 m 



Links

http://www.hochgeschwindigkeitszuege.com/galerie/fr_pbka.html
http://www.tgv.com/
http://www.thalys.com/
http://www.sncf.com/
http://www.railfaneurope.net/pix/fr/electric/emu/TGV/Thalys/PBKA/pix.html